Traudl

Traudls Leben ist voller Gerüche: die Hecken riechen, die Sträucher riechen. Riechen tut auch die Wäsche, vom Waschpulver. Auch die Aluminiumstreifen, die sie im familiengeführten Friseursalon zurechtschneidet, riechen. 

Sie lebt noch immer in dem Haus, in dem sie geboren worden ist. Sie erinnert sich an den Pferdestall und die Schweine, die hier wühlten.

Ihr Sohn nimmt sie oft mit auf Reisen. "Ich komme gar nicht zur Gartenarbeit," flüstert Traudl, weil sie entweder im Friseursalon mitarbeiten oder mit ihrem Sohn auf Tour muss.

Als sie mit den leuchtenden Augen eines kleinen Mädchens von früher erzählt, greift ihre Hand zur Zigarettenschachtel in der linken Brusttasche. Sie raucht seit ihrem 12. Lebensjahr und ist noch kerngesund. "Mein Sohn, der ist strenger als mein Mann," flüstert sie, und zeigt uns ihr Zigarettenversteck.


Traudl erzählt von der Einsamkeit, seitdem ihr Mann gestorben ist. Sie waren Tag und Nacht zusammen. Erzählt, dass er wegen ihr vom Schreiner zum Friseur umgeschult hat. "Ein lieber Mann", sagt sie, "wir haben uns immer gut vertragen". Sie weiss nicht mehr genau, wann er gestorben ist, so ungefähr vor einem Jahr. Die Einsamkeit ist schlimm. In solchen Momenten legt sich dann auf ihr Bett und schaut in Richtung Odenwald. Das tröstet sie.

"Die Einsamkeit," sagt sie "verspannt die Schultern. Da ist es wichtig, Gymnastik zu machen." 

Um 12 gibt es Mittagessen. "Das ist ganz wichtig", sagt sie. 

Willi, 97

Willi wurde 97 Jahre alt. 

Auf seine hohes Alter angesprochen, ha